Die Waage

Waage am Museumshafen in Leer

Zur alten, ab dem Jahr 1525 reformierten Kirche in der Nähe des Plytenberges gehörte seit 1508 (Graf Edzard verlieh Leer das Marktrecht an Sankt Gallus) die Waage. Sie befand sich in dem Glockenturm neben der Kirche im Westerende. Seit 1530 hat die reformierte Gemeinde die Waage regelmäßig verpachtet und damit nicht unbeträchtliche Erträge erzielt.

Mit diesen Einküften konnte sie eine Elementarschule und das Armenhaus unterhalten, zudem ab 1584 bis 1834 auch eine Lateinschule (als Vorläuferin des Ubbo-Emmius-Gymnasiums).

Um 1570, ganz genau weiß man das nicht, wird die Waage an das Ledaufer verlegt. Das war ein schlichter Holzbau mit gestampftem Lehmboden.

Dort an der Leda auf dem heutigen Waageplatz fand von 1570 bis 1905 der Gallimarkt am „Hohen Ufer“ statt. Der Holzbau war nach 150 Jahren baufällig. Deshalb lässt die reformierte Gemeinde im Jahr 1714 die neue Waage „am Ufer“ errichten. Ein zu der Zeit moderner Ziegelsteinbau im Stil des nierländischen Barock. "Das barocke Dachreiterchen mildert die Strenge der Formen und gibt dem Bau eine liebenswürdig-anmutige Pointe", schreibt Günther Robra. Das Gebäude ist geräumig, vergügt über ein Wohnung für den Waagepächter und einen Schankraum. 1768 erhält die Waage ihre Sonnenuhr.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war das Gelände bei der Waage nicht nur Marktplatz, sondern auch Hafenanlage. Dort mußten alle Waren gewogen werden (Hauptladeplatz). Der seit etwa 1823 erheblich geringere Warendurchgang an der Waage ließ die Erträge der reformierten Gemeinde beständig sinken. Gleichwohl behauptete die reformierte Kirche ihr Wiegemonopol bis 1865, nicht zur Freude der Leeraner Kaufmannschaft. 1921 verkaufte sie das Gelände und das Gebäude an den Heimatverein Leer.

An die Zeit der "Waagegerechtigkeit" der reformierten Kirche erinnert eine Waage-Rolle aus dem Jahr 1791, die sich im Bestand des Heimatmuseums Leer befindet. Dort zu finden in der Abteilung Stadtgeschichte Leers (Hleri 791-1791) im 3. OG zusammen mit zwei Gewichten aus der Waage.

Die Überschrift über die Vereinbarung zwischen den Vertretern der reformierten Kirchengemeinde in Leer und der Leeraner Kaufmannschaft lautet: "Allerhöchst confirmierte Waage-Rolle - oder die zwischen dem reformirten Kirchen-Rath und der Kaufmannschaft geschlossenen Convention über die Waage und die Waagepflichtigen Güter in Leer vom Jahre 1791".

Solche Vereinbarungen über die Rechte, Befugnisse und Auflagen zur Nutzung der Waage wurden regelmäßig neu ausgehandelt und schriftlich in einer Waage-Rolle niedergelegt. Allein die Verhandlungen über die oben zitierte Waage-Rolle dauerten 40 Jahre.