Orgel

Orgel

Das beeindruckendste Kulturdenkmal in der Großen Kirche ist sicherlich die mehr als 400 Jahre alte Orgel; das zweitälteste Instrument der berühmten Orgellandschaft Ostfrieslands. Hinter dem gewaltigen Orgelprospekt verbergen sich 37 Stimmen (Register) mit rund 2.500 Pfeifen. Ursprünglich, vermutlich um die Mitte des 16. Jahrhunderts, als Renaissance-Orgel für das Kloster Thedinga (nahe Leer) gebaut, wurde sie bei Verteilung des Klosterguts 1609 von Graf Enno III. der ev.-ref. Kirchengemeinde Leer geschenkt, vom Bremer Orgelbaumeister Marten de Mare nach Leer gebracht und nach Erneuerung in der damaligen St. Luidgeri-Kirche am Westerende aufgestellt. Nach Abbruch der baufälligen St. Liudgeri-Kirche und Neubau der Großen Kirche (1785-1787) wurde die erst in den Jahren 1763-1766 durch den Groninger Orgelbaumeister Albertus Anthoni Hinsz mit einem neuen Gehäuse umfänglich umgebaute und erneuerte Orgel unverändert durch den Emden Orgelbauer Johann Friedrich Wenthin in die neue Kirche (Nordseite) umgesetzt. Als sie im Jahre 1845 fast unbespielbar geworden war, legte der Emder Orgelbauer Wilhelm Höffgen ein sehr gründliches Gutachten für eine umfassende Erneuerung und umfangreiche Erweiterung vor. Der Auftrag wurde vergeben und die begonnene Arbeit nach dem plötzlichen Tod Höffgens im Jahr 1849 vom Emder Orgelbauer Brond de Grave Winter zu Ende geführt. Im Jahr 1914 wurde das Gebläse durch die Orgelbaufirma Furtwängler und Hammer, Hannover, elektrifiziert. Im ersten Weltkrieg mussten 1917 die Prospektpfeifen aus Zinn für die Rüstungsproduktion abgeliefert werden. Der Prospekt wurde mit blauem Tuch verhängt, bis 1924 der Orgelbauer Klassmeyer aus Lemgo neue Prospektpfeifen aus Zink lieferte.

Orgel

1953-1955 ersetzte der Orgelbauer Paul Ott aus Göttingen das Oberwerk durch zwei Rückpositive und baute auf Drängen des Kantors einen freistehenden Spieltisch ein sowie die Orgelempore zur Chorempore um. 1963-1971 konsolidierten die Orgelbauer Jürgen Ahrend und Gerhard Brunzema die Orgel in mehreren Bauabschnitten; seitdem betreut Dr. Jürgen Ahrend das Instrument.

So wurde zwischen 1609 und heute die aus dem dörflichen Kloster stammende Renaissance-Orgel mit 9 Registern durch immer neue Vergrößerungen und Erweiterungen zu einer städtischen Barockorgel entwickelt, in der aber die Stimmen aus der Renaissance alles andere als untergegangen sind. Eine mit Hilfe von NOMINE (Norddeutsche Orgelmusikkultur in Niedersachsen und Europa) in Stade erarbeitete orgelwissenschaftliche Dokumentation des Landeskirchenmusikdirektors der Ev.-ref. Kirche, Winfried Dahlke, unseres Organisten, über die Geschichte und den historischen Bestand der Orgel trägt auf 250 Seiten alle noch sicher feststellbaren Tatsachen nachprüfbar zusammen.